Die Insel hat mit dem Rügen International Film Festival jetzt nicht nur ein eigenes Filmfest, sie hat auch einen eigenen Filmemacher. Regisseur Christoph Eder, 29 Jahre alt, hatte in Greifswald eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild/Ton absolviert und danach ein Studium der Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar abgeschlossen. Aktuell ist er selbstständig und studiert nebenbei Regie für Dokumentarfilm an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam. Er stammt von der Insel, wurde in Göhren geboren, ist dort aufgewachsen. Und hier hatte er auch seine ersten filmischen Erfahrungen gemacht. Als Junge, beim Skateboarding. „Mein Cousin hatte mir den Hi8-Camcorder seines Vaters in die Hand gedrückt und ich habe uns dann beim Skaten gefilmt. Das hat mir super viel Spaß gemacht und motiviert eigene Filme zu machen“, erinnert er sich. Filmen, schneiden, Bilder einfangen – das wollte er machen. „Gereizt hatte mich vor allem das dokumentarische Genre“, sagt er. Und so hatte er dann als Jugendlicher auch keine Probleme mit der Berufswahl. Sein Weg war für ihn klar: „Ich werde Filmemacher“. Auf diesem langen Weg lernte er viele Freunde und Gleichgesinnte kennen, er gründete gemeinsam mit vier Kommilitonen das Filmkollektiv „Kammer11“, ein Netzwerk von Filmemachern, die sich gegenseitig in ihrer Arbeit unterstützen. „Der Name ‚Kammer11‘ klingt interessant. Dahinter steckt aber eine profane Geschichte“, berichtet er. „Wir hatten in der Uni einen gemeinsamen Arbeitsraum, auf dessen Tür die Nummer 11 geschrieben stand. So kam der Name „Kammer11“ zustande“, sagt er. Neben seinen Dokumentarfilmen arbeitet Eder auch als Regisseur und Produzent für Online-Produktionen und Musikvideos und wurde mehrfach für seine Arbeiten mit Filmpreisen ausgezeichnet.

Die Besucher des Filmfestivals, das vom 4. bis 8. Oktober auf Rügen stattfindet, können ihm und Teilen seines jungen Filmschaffens begegnen. Christoph Eder hat den Trailer für das Festival gedreht, der an allen zehn Spielorten (Seebrücke Sellin, Marstall Putbus, Theater Putbus, Cliff Hotel Sellin, Grundtvighaus Sassnitz, Kinohalle Regenbogencamp Göhren, Lachmöwe Kabarett-Theater Baabe, Yachthafen Im Jaich Lauterbach, Museumswerft KinoAufSegeln in Greifswald und Filmclub „Blendwerk“ in Stralsund) jeweils zum Auftakt der Filmvorführung zu sehen sein wird. Und er beteiligt sich mit einem eigenen Werk am Wettbewerb in der Reihe „Inselwelten“. „Imbiss“ ist ein 13-minütiger Dokumentarfilm, den er gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Jonas Eisenschmidt vor zwei Jahren auf der griechischen Insel Lesbos drehte. Der Film ist eine Momentaufnahme aus der heißen Phase und begleitet einen griechischen Imbissbesitzer, der seine Bude direkt an ein Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos stellt, dorthin wo die Flüchtlinge anlanden. Er versorgt sie mit Brötchen und Strom, damit sie ihre Smartphones aufladen können. Der Film zeigt einen Spagat zwischen uneigennütziger Hilfe und Geldgier. Dürfen die Flüchtlinge ihre Telefone zunächst noch kostenfrei aufladen, kostet das wenige Tage später schon einen Euro.  Christoph Eder liefert eine schnörkellose, kommentarfreie Beobachtung der Szenerie und macht damit die Ausnahmesituation der Flüchtlingssituation erlebbar. Gezeigt wird der mehrfach bei Festivals prämierte Film übrigens in seinem Heimatort: Am Freitag, dem 6. Oktober im Kino Regenbogencamp Göhren.

Christophs Lebensmittelpunkt heißt schon seit vielen Jahren nicht mehr Rügen. „Als Filmemacher muss ich leider in die Großstadt, hier ist die Szene zu Hause, hier gibt es die Aufträge, hier sind die Netzwerke“, sagt er. Aber die Insel fehlt ihm. Er vermisst das abendliche Rauschen der Wellen vor dem Einschlafen, den Geruch vom Meer und die ganz eigene Inselmentalität der Rüganer. Und so wirkt es wenig verwunderlich, dass sein aktuelles Filmprojekt ihn zumindest zeitweise  auf die Insel zurückführen wird. „Ich möchte einen Film über meine Heimat machen,  darüber, vor welchen Herausforderungen Rügen steht und wie es sich in den letzten Jahren gewandelt hat. Im Mittelpunkt steht dabei mein Heimatort Göhren“, verrät er. Wann der Film fertig sein wird, weiß er noch nicht. Das Projekt steckt noch in den Anfängen. Aber vielleicht kann er ja im nächsten Jahr gezeigt werden, wenn das International Rügen Festival zum zweiten Mal stattfindet und wieder internationale Filme aus den Anrainerstaaten der Ostsee auf die Insel holen wird. [Text: Matthias Bruck]